Vermisst du eigentlich deinen alten Job?“
„Vermisst du eigentlich deinen alten Job?“,
wurde ich gestern von einer meiner Yogaschülerinnen nach dem Unterricht gefragt.
Hhmmm...
Vermisse ich mein 16 Grad kaltes Büro, wo ich nicht mal einen Heizstrahler vom Baumarkt reinstellen durfte, da dieser keine Sicherheitsplakette hat?
Wenn heute ein Yogaraum nicht geheizt ist und Gespräche mit den Zuständigen keine Besserung bringen, dann finde ich einen geheizten und zudem gemütlicheren Raum und ziehe mit meinen Yoginis kurzerhand um.
Vermisse ich das Großraumbüro mit ca. 50? Leuten ohne Schalldämmung und wackelndem Boden?
Heute sitze ich in meinen gemütlichen vier Wänden, im Café oder schönen und hellen Yogaräumen zum Arbeiten.
Vermisse ich das Stempeln in der Frühe oder eine schriftliche Ermahnung zu erhalten, weil ich um 18:01 Uhr ausgestempelt habe?
Heute arbeite ich nach meinem Biorhythmus und spreche frühstens um 9 Uhr mit jemanden und kann abends um 23 Uhr in Ruhe am Rechner sitzen und dafür nachmittags bei Sonnenschein mit meiner Familie einen Ausflug machen.
Vermisse ich Teilnehmer, die von ihren Chefs dazu „bewegt“ werden an der Schulung teilzunehmen und dementsprechend motiviert sind?
Heute kommen meine SchülerInnen intrinsisch motiviert und mit Freude zu meinen Kursen.
Vermisse ich Vorgesetzte mit wenig Führungskompetenz oder Haaren auf den Zähnen?
Wenn es heute mit Kooperationspartner nicht stimmig für mich ist, dann beende ich die Zusammenarbeit und finde Menschen, die ähnlich Werte wie ich vertreten. Achtsamkeit, Augenhöhe, Zuverlässigkeit, Wertschätzung... Es entsteht gerade so ein unterstützendes und nährendes Unternehmerinnen-Netzwerk in und um Magdeburg.
Vermisse ich es, dass mit privaten Infos wie zum Beispiel der noch nicht verkündeten Schwangerschaft hausieren gegangen wird und dass meine Bankverbindung öffentlich im Netz steht? Vermisse ich es als zu emotional betitelt zu werden, wenn ich für meinen Datenschutz einstehe?
Heute bin ich meine eigene Datenschutzbeauftragte, Personalchefin und Betriebsrätin.
Vermisse ich es vom Personalchef als übermotiviert betitelt zu werden, weil ich engagiert bin und gerne arbeite?
Ich liebe es auch heute noch dazuzulernen, Unangenehmes anzusprechen, für Veränderung zu sorgen und ein positives Vorbild für andere zu sein.
Vermisse ich manche Kollegen? Auf jeden Fall. Oder anders ausgedrückt, ich erinnere mich gerne zurück an die Gummibärchenbande, an die lustigen und offenen Niederländer, an die KollegInnen im Weingebiet, ans Knöpfchen und Co.
Ich vermisse meine liebe und zuverlässige Assistentin, die sich hingebungsvoll um administrative Dinge gekümmert und immer ein offenes Ohr für meine fortwährenden, kreativen Ideen und Gedanken hatte.
Ich vermisse manchmal das Gehalt, das regelmäßig und planbar auf meinem Konto ist.
Ich bin heute Dankbar für meine Freiheit und Freiheiten, dafür, dass ich so schnell unterwegs sein darf, wie meine Kreativität und Schaffenskraft so aus mir raus sprudeln.
Ich bin dankbar für meine loyale, offene, herzliche und achtsame Schülerschaft.
Ich bin dankbar, meine Be-Ruf-ung ausleben zu können, indem ich andere Menschen unterstütze, dass sie sich wohler fühlen und entspannter sind.
Ich bin dankbar, dass mir meine Tätigkeiten, die rund um meine Yogalehrer-Selbständigkeit auftauchen Spaß machen – Unterrichten, Organisieren, Webseiten bauen, Buchführung, Werbung gestallten...
Ich bin dankbar dafür, dass ich meinen Sohn als Mittagskind vom Kindergarten abholen kann und mit ihm wertvolle Zeit verbringen kann.
Ich bin dankbar für meinen humorvollen, kompetenten und loyalen (und gut aussehenden – auf Wunsch ergänzt ;-) ) Mann, den ich in meinem alten Job kennen gelernt habe.
Danke für die vielen wertvollen Erfahrungen, die ich im alten Job machen und an denen ich wachsen durfte. Danke für all die netten und facettenreichen Menschen, die ich kennen lernen durfte.
Was nehme ich sonst noch mit?
Das einzige mit Bestand ist der Handel ähhh Wandel! ;-)