Zuckerfreie Ernährung in der Schwangerschaft
Ein Beitrag von Marina

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Zuckerfreie Ernährung in der Schwangerschaft

Du bist im Laufe deiner Geburtsvorbereitung vielleicht schon über Begriffe wie Louwenernährung, Louwendiät oder zuckerfreie Ernährung in der Schwangerschaft gestoßen.

Dieser Beitrag soll dir erklären worum es sich dabei handelt, und ob es meiner Meinung nach Sinn macht sich an die Empfehlungen zu halten.

Wer ist Dr. Louwen?
Dr. Frank Louwen ist Arzt an der Uniklinik Frankfurt am Main. Er ist dort Leiter der Geburtshilfe und inzwischen auch außerhalb des Klinikums bekannt für seine Ernährungsempfehlungen für Schwangere.  Er rät Frauen ab der 34. -36. Schwangerschaftswoche dazu auf Zucker zu verzichten und die Ernährung auf vollkornbasierte Lebensmittel umzustellen.

Was das bringen soll?

Die Geburt soll dadurch positiv beeinflusst werden. Ich steig mal gleich ganz tief in das Thema ein und erklär die den physiologischen Gedankengang dahinter.
Der Körper ist in der Lage ein schmerzstillendes Hormon zu bilden, dass sich Prostaglandin nennt. Wenn sich der Körper auf die Geburt vorbereitet bildet er vermehrt Rezeptoren, also Andockstellen, am Gebärmutterhals. Diese sorgen unter anderem dafür, dass vor der eigentlichen Geburt der Muttermund reift und unter der Geburt beschleunigt es die Eröffnungsphase. 

Klingt doch eigentlich super oder?!

Das Problem ist, dass durch eine zuckerhaltige Ernährung unser Insulinspiegel ansteigt. Und dieses freigesetzte Insulin setzt sich nun genau an die Andockstellen, an denen eigentlich die Prostaglandine andocken und ihre Wirkung entfalten sollten. Die Andockstellen sind dann also bereits besetzt, und die schmerzhemmende Wirkung der Prostaglandine entfallen. So lautet die Theorie von Dr. Louwen.

Was ich an dieser Stelle noch betonen möchte ist, dass es nicht Ziel ist eine Gewichtsreduktion zu erreichen – es ist also keine Diät im umgangssprachlichen Sinn. Ziel ist es den Blutzuckerspiegel  konstant zu halten, und Blutzuckerspitzen zu vermeiden. Damit das Prostaglandin wie oben beschrieben wirken kann und dadurch die Geburt erleichtert wird.

Welchen Einfluss hat eine Ernährungsumstellung dann?


Man verspricht sich 3 Dinge davon:
-          Eine kürzere Geburtsdauer
-          Eine termingerechtere Geburt
-          Und eine schmerzärmere Geburt (nicht schmerzfrei!)

Natürlich kann niemand garantieren, dass diese Punkte auch so eintreten. Ich erzähle dir aber im folgenden meine persönlichen Erfahrungen mit den Ernährungsempfehlungen nach Dr. Louwen.


Meine Geschichte

Schwangerschaft
Nachdem bei meiner ersten Geburt 10 Tage über dem errechneten Termin die Geburt eingeleitet werden musste und ich gefühlt ewig Wehen hatte (leider einen Großteil der Zeit ohne Auswirkungen auf den Muttermund – die Geburt schritt also nicht voran). Und ich die Geburt definitiv nicht als schmerzarm empfand, klang das alles für mich sehr vielversprechend und ich war bereit dafür auf Zucker zu verzichten. 

Ich selbst bin übers Internet auf die Louwen-Ernährung aufmerksam geworden. Eigentlich schon in meiner ersten Schwangerschaft, doch da man ja erst im letzten Trimester damit startet, hatte ich es bis dahin schon längst wieder vergessen.

In meiner zweiten Schwangerschaft war ich auf der Suche nach neuen Wegen um mich auf die Geburt vorzubereiten. Welche die die Geburt positiv beeinflussen bzw. mich gut darauf vorbereiteten. Und da kam ich wieder auf die Ernährungsumstellung zurück. Ich buchte ein Onlineseminar zum Thema und begann diesmal bereits in der 22. Schwangerschaftswoche, denn eigentlich spricht nichts dagegen früher damit zu starten. Es kann doch nie schaden dem Körper weniger Zucker zuzuführen.
Am Anfang gab es immer mal wieder sogenannte Cheatdays, weil ich auf Hochzeiten eingeladen war oder Geburtstagsfeiern anstanden. Doch nach einiger Zeit merkte ich, dass ich bei jedem Neustart der Ernährungsumstellung ein paar Tage sehr schlecht gelaunt und streitsüchtig war – ich war auf Entzug - Zuckerentzug.
Zum Glück, vor allem für mein Umfeld, legte sich dies meist nach 3-4 Tagen. 
Ansonsten ging es mir gut damit und ab Woche 37 zog ich dann auch voll durch. Ein positiver Nebeneffekt war, dass ich durch die Ernährung ohne Zucker und nur mit Vollkornprodukten auch nur wenig zu nahm. Dass das Baby dennoch gesund ist und auch gut wächst, wurde mir bei den regelmäßigen Untersuchungen vom Gynäkologen bestätigt.

Geburt
So nun aber zu meinem Fazit nach der Geburt:  Ich werds einfach Punkt für Punkt durchgehen.

Also Punkt 1 war ja die termingerechtere Geburt: Ja diesmal fand die Geburt 3 Tage vor errechnetem Termin statt und auch ohne eine Intervention von außen. 
Zu Punkt 2 der kürzeren Geburtsdauer – auch dies ist ja grundsätzlich ein messbares Ziel, wenn man es mit meiner ersten Geburt vergleicht. Und auch hier wieder ein deutliches ja zur Louwenernährung – bei meiner ersten Geburt kam ich auf eine Geburtsdauer von 8 Stunden (wobei ich deutlich länger Wehen hatte, die ich auch veratmen musste – zählen aber nicht, da nicht muttermundswirksam). Bei meiner zweiten Geburt nun kam ich auf eine Geburtsdauer von 3 Stunden – auch diesmal hatte ich bereits zuvor Wehen, die aber keinen Fortschritt der Geburt brachten – jedoch war diese Phase deutlich kürzer als bei der ersten Geburt und es war auch kein Veratmen notwendig, da ich sie lediglich als leichtes Ziehen wahrgenommen habe.
Und zu Punkt 3 der schmerzärmeren Geburt – diesen Punkt würde ich mit dem zweiten Punkt in Verbindung setzen. Denn durch die kürzere Geburtsdauer, war ich auch noch nicht so müde und konnte mich daher noch besser auf die Atmung während und zwischen denn Kontraktionen konzentrieren – was die Schmerzen deutlich beeinflusste. 

Also ja es gab Schmerzen, aber die wirklich schmerzintensive Phase am Ende der Geburt war deutlich kürzer und ich konnte sie auch besser „handeln“.
Was dem ganzen sicher auch zu Gute kam, war ein weiterer Part meiner Geburtsvorbereitung, nämlich die mentale Geburtsvorbereitung. Sie ermöglichte mir eine selbstbestimmtere Geburt als beim ersten Mal. Ich kann daher nicht klar sagen, ob all diese positiven Effekte nur der Louwenernährungsweise zu Grunde liegen. Ich bin aber davon überzeugt, dass sie ihren Teil dazu beigetragen hat. 

Alles in allem, würde ich die Ernährungsform jeder Schwangeren empfehlen, da es eigentlich keine Nachteile gibt.

Kaiserschnitt
Und weil bei dir vielleicht die Frage aufgetaucht ist, ob es auch im Falle eines Kaiserschnitts Sinn macht sich an die Empfehlungen der Louwenernährung zu halten, wie schon am Anfang erwähnt, es kann doch niemals schaden dem Körper und auch deinem mit dir verbundenen Kind weniger Zucker zuzuführen.

Achtung!
Noch etwas wichtiges: Solltest du  unter Schwangerschaftsdiabetes leiden, besprich die Louwenernährung auf jeden Fall zuerst mit deinem Gynäkologen oder der Gynäkologin oder der Hebamme.  
 


Vielleicht denkst auch jetzt darüber nach deinen Zuckerkonsum in der Schwangerschaft einzuschränken. Ich kann es dir nur empfehlen!

Bis bald,
Marina