Warum ihr euer Baby niemals schütteln solltet
Ich gehe davon aus: wir alle lieben unsere Kinder!
Trotzdem gibt es manchmal Momente, wo wir ihre Nähe nicht ertragen, sie uns zu laut sind oder wir nicht mehr wissen, was wir noch tun sollen. Sicher fallen euch mehr Beispiele ein. Solche Momente haben Potenzial, dass wir ausflippen und manchmal passiert es dann auch. Im Kopf legt sich ein Schalter um und wir tun Dinge, die wir eigentlich nie tun wollten. Wir erkennen uns selbst nicht wieder, während wir unser Baby anschreien oder es vielleicht sogar schütteln.
Was passiert bei uns Eltern?
Ist der Schalter im Kopf einmal umgelegt, können wir unsere guten Vorsätze in Sachen Erziehung nicht mehr abrufen, so bindungs- und bedürfnisorientiert wir normalerweise auch sind. Unser Verstand ist offline. Was wir in den folgenden Sekunden machen, passiert, weil unser Gehirn eine Gefahrensituation registriert hat, die es SOFORT und mit aller Macht beenden will. Um es klar auszudrücken, unser Gehirn betreibt Selbstschutz.
Wir haben es getan: unser Baby angeschrien und/oder geschüttelt! Fast im selben Augenblick springt der Verstand schon wieder an und wir fragen uns, wie das passieren konnte. Nicht selten wird das Schreien und Schütteln direkt bereut und man macht sich massiv Sorgen und Vorwürfe.
Warum aber tun wir so etwas Schreckliches?
Die Antwort ist theoretisch simpel: Wir sind überfordert! Überforderung gehört bei Vielen aber leider schon zum Alltag, Stichworte: Burn Out, Mental Load. Zu viele Aufgaben für zu wenig Zeit und zu wenig Menschen. Praktisch bräuchten wir im Alltag viel mehr Zeit für uns selbst, Stichwort: Selbstfürsorge.
Was tun, wenn wir unser Baby geschüttelt haben?
Euer Verstand ist wieder online und ihr registriert: „Ich habe mein Baby geschüttelt!“
Fahrt SOFORT in die Notaufnahme oder ruft den Krankenwagen!
Ja, es wird sehr, sehr, sehr, sehr unangenehm dem medizinischen Personal zu erklären, was wir getan haben und trotzdem ist es wichtig für euer Baby! Euer Baby könnte sterben!
Ist das jetzt nicht etwas übertrieben?
Nach einer Repräsentativumfrage von 2017 durch das „Nationale Zentrum Frühe Hilfen“ unterschätzen 25% der Befragten das Risiko durch ein Schütteltrauma.
Zahlen und Fakten zu den Folgen eines Schütteltrauma
Die Zahlen sprechen für sich:
- 10-30% der Babys sterben
- 50-70% überleben mit lebenslangen geistigen/körperlichen Behinderungen und Krampfleiden
- nur 10-20% überleben ohne bleibende Schäden
Was passiert, wenn man ein Baby schüttelt?
Die Nackenmuskulatur des Babys ist schwach, ganz besonders bei Neugeborenen, die ihren Kopf noch nicht selbst halten können. Bei gewaltsamem Schütteln wird der Kopf massiv von vorn nach hinten geschleudert und knallt mit voller Wucht gegen Brust und Rücken - mehrfach in nur wenigen Sekunden. Das Gehirn erleidet beim Aufprall unwiderrufliche Schäden, Nervenbahnen und Blutgefäße reißen. Von unserem Kinderchirurgen aus der Familie habe ich erfahren, dass die meisten überlebenden Kinder unter Beeinträchtigungen des Sehvermögens leiden oder sogar ganz erblinden und deren Persönlichkeit ge- oder zerstört ist. Das liegt daran, dass der Bereich des Gehirns, welcher für das Sehen verantwortlich ist, am Hinterkopf sitzt und die Persönlichkeitsentwicklung vorn hinter der Stirn. Das sind oft die Bereiche, die am Meisten von den Aufprällen betroffen sind. Die Sprache sitzt eher an den Seiten und kann ebenfalls beeinträchtigt sein. Einigermaßen „gut“ ergeht es da noch der Motorik, welche in der Mitte des Gehirns sitzt und durch andere Hirnareale geschützt ist. Es kommt immer darauf an, mit welcher Kraft und in welcher Häufigkeit das Baby geschüttelt wurde.
Von Außen ist ein Schütteltrauma gar nicht oder nur schwer erkennbar:
- Blässe
- Reizbarkeit
- Apathie
- Erbrechen
- Krampfanfälle
- Atemstillstand
Was tun, wenn wir unser Baby angeschrien haben?
Legt es sicher ab und sorgt in den nächsten Minuten für euch selbst:
- Vielleicht müsst ihr dafür den Raum verlassen,
- Vielleicht möchtet ihr kurz am Fenster frische Luft schnappen,
- Vielleicht zählt ihr innerlich bis 10,
- Vielleicht macht ihr euch Entspannungsmusik an,
- Vielleicht geht ihr gedanklich am Strand spazieren,
- Vielleicht möchtet ihr jemanden anrufen und/oder
- sogar Unterstützung organisieren. (z.B. Nachbarn, Freunde, Familie).
Optimal wäre natürlich, wenn jemand zu Hause ist, der/die sich um das Baby solange kümmern kann. Seid ihr jedoch allein zu Hause, dann ist es eben erstmal so, auch wenn das Baby weint. Die Vorstellung ist nicht schön, und trotzdem möchte ich betonen, dass es nicht vergleichbar ist mit bewusstem/gezieltem Schreien lassen! Macht euch bitte klar, dass wenn ihr euer eigenes Nervensystem jetzt nicht beruhigt und ihr euch weiter dem Schreien eures Babys aussetzt, ihr ihm dann möglicherweise etwas Schlimmeres antut, weil der Schalter sich noch einmal umlegt. Es ist ein Teufelskreis und ihr könnt aus diesem nur ausbrechen, wenn ihr selbst zur Ruhe kommt. Bitte, bitte, nehmt euch diese 5 oder 10 Minuten.
Wie geht es nach dem Anschreien und/oder Schütteln weiter?
Eines ist sicher: es muss eine Veränderung her! Euer Alltag kann so nicht mehr weiter gehen, denn ihr braucht mehr Zeit, um gut für euch selbst zu sorgen. Unter einer bindungs- und bedürfnisorientierten Erziehung ist nämlich zu verstehen, dass auch die Grundbedürfnisse der Eltern erfüllt sein sollten und nicht nur die des Babys.
Selbstfürsorge fängt bei der Erfüllung der Grundbedürfnisse an:
- Habe ich genug gegessen und getrunken?
- Nehme ich mir genügend Zeit für meine Körperhygiene, wie täglich duschen, Zähne putzen, etc.?
- Kann ich sozialen Kontakten nachgehen? Wann habe ich mich zum letzten Mal mit Freunden getroffen?
- Bekomme ich im Alltag ausreichend Bewegung und frische Luft?
- Habe ich ausreichend geschlafen?
Sind unsere Grundbedürfnisse erfüllt, dann fühlen wir uns viel wohler in unserer Haut. Unser Tank ist soweit gefüllt, um nicht sofort ausflippen zu müssen. Dieser Tank muss jedoch regelmäßig befüllt werden, sonst ist das kritische Maß schnell wieder unterschritten. Überlegt einmal, welche Veränderungen ihr im Alltag vornehmen könnt und ob es Möglichkeiten gibt, Grundbedürfnisse zu verbinden:
- Könnte jemand aus Familie oder Freundeskreis vorbeikommen, damit ihr duschen könnt?
- Könntet ihr euch vorstellen, einmal pro Woche mit dem Baby in der Trage zu einem schönen Cafe zu spazieren, um dort Mittag zu essen?
- Könnt ihr euch vorstellen, einmal pro Woche mit dem Baby abends gemeinsam ins Bett zu gehen, um dem Schlafmangel wenigstens etwas vorzubeugen?
- Könnt ihr euch vorstellen, dass eure Partner*in an einem Wochenendtag das Baby vormittags versorgt und ihr selbst einfach im Bett liegen bleibt?
- Könnt ihr euch vorstellen, das Baby einmal im Monat an vertraute Personen abzugeben, um Paarzeit zu haben?
- Könnte ich mir vorstellen, eine Mütterpflegerin oder Haushaltshilfe zur Bewältigung der Alltagsaufgaben einzubinden?
Ihr dürft hier kreativ werden und es ist auch gar nicht schlimm, sich Unterstützung von Außen zu holen. Vielmehr ist es ein Zeichen von Kompetenz, wenn ihr eure persönlichen Grenzen erkennt und zukünftig besser für euch sorgen wollt. Darum wissen auch Fachleute der emotionellen Erste Hilfe, Schreibabyambulanzen und anderen Hilfsstellen.
Bitte versucht, besser für euch zu Sorgen, denn auch euer Baby möchte, dass es euch gut geht und ihr könnt die Mama oder der Papa sein, die/der ihr eigentlich sein wollt.
Zu einem entspannteren Alltag kann euch auch BabySteps® für Babys von 0 bis 12 Monaten verhelfen, denn das ist mehr als nur ein Babykurs:
- Mit dem Baby in der Trage könnt ihr zum Kursraum laufen und bekommt etwas Bewegung.
- Im Kurs klären wir gängige Ammenmärchen auf, um den Druck, der oft auf frisch gebackenen Eltern lastet, wegzunehmen. Außerdem gibt es Spielanregungen und Lieder für zu Hause und Austausch unter den Kursteilnehmer*innen.
- Nach der Kursstunde habt ihr vielleicht als Gruppe Lust, gemeinsam in den Park zu gehen und ein Picknick zu machen. So habt ihr Zeit, um ausreichend zu essen und zu trinken bei gemütlicher Atmosphäre und sozialen Kontakten.
- Dabei können neue Freundschaften entstehen, um sich gegenseitig zu unterstützen, z.B. wenn man mal duschen möchte. 😉
Hier findet ihr einen Flyer zum Schütteltrauma vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen: https://www.elternsein.info/fileadmin/user_upload/elternsein.info/pdf/NZFH-Schuetteltrauma-Flyer.pdf
Übrigens: Vom hier beschriebenen Schütteltrauma sind nicht nur Babys, sondern auch Kleinkinder betroffen!
Übrigens: Vom hier beschriebenen Schütteltrauma sind nicht nur Babys, sondern auch Kleinkinder betroffen!
Alles Gute für euch und wenn ihr mögt, dann sehen wir uns bald bei BabySteps®!
Eure Karolin
Telefon: 0173 60 83 861
Telefon: 0173 60 83 861
E-Mail: karolin@kugelzeit-babyglueck.de