Eine Liebeserklärung an die Arbeit mit dem Körper
Ich werde nie meine erste offline MEinklang® Session als Teilnehmerin letztes Jahr im Juli vergessen. Fast die ganze Session über wurde ich bei einem für mich so befreienden Zusammenbruch (klingt paradox, ich weiß) gehalten, beschützt und dabei begleitet, wieder in die Aufrichtung zu kommen. Was dort passierte, war eine Haltungsveränderung, die die Türen in emotionale Schichten, die ich zuvor nicht kannte, öffnete. Das Zwiebelprinzip kannte ich schon von meiner Ausbildung und Arbeit als systemische Paar- und Familientherapeutin. Diese Ausbildung ist nun 10 Jahre her und all diese Jahre spürte und wusste ich: Irgendwas fehlt doch da! Weil verstanden hatte ich gefühlt schon alles, konnte mir rein kognitiv verschiedenste Zusammenhänge erklären, warum ich dies und das tue, wenn xy eintritt und warum mich dies und jenes so besonders herausfordert. Klar gab es nie Stillstand, aber dennoch irritierte mich, dass so viele Muster und Verhaltensweisen so hartnäckig blieben.
Schlimmer noch, mit meiner Mutterschaft und vor allem mit der Geburt meines zweiten Kindes, wurden manche stärker oder kamen gar erst an die Oberfläche. Da zeigte sich in mir auf einmal sogar Wut. Ich? Das “liebe” Kind, der Sonnenschein spürte Wut? Und so stand ich da mit Mitte 30, zwei Kindern und Mann, erschöpft und müde, Kursleiterin von Kursen, deren Fokus ein friedvolles Miteinander in Familien hatte und hatte selbst keine Ahnung, wie ich mit überwältigenden Emotionen umgehen sollte. Rein kognitiv konnte ich das weiterhin ganz wunderbar erklären; doch wenn im Alltag der Trigger gesetzt war, ging die Emotions-Welle in mir los und ich hatte keinerlei Regulationsstrategien verkörpert (brauchte ich ja als Sonnenscheinkind auch nicht) und war total überfordert mit meinen eigenen Emotionen. Wie sich das anfühlt, Wissen weiterzugeben, das der eigene Kopf zwar versteht, aber man gerade mitten in einer Phase steckt, in der man als “Mutter scheitert”, sich nicht traut, darüber zu sprechen, weil man sich eh schon selbst beschämt und die Angst, auch noch von Außen beschämt zu werden, zu groß ist... Das brauch ich wahrscheinlich nicht zu erklären?!
Das ist jetzt viereinhalb Jahre her und ich war am Anfang über Monate hinweg echt hart zu mir; auch da hatte ich nicht die passenden “inneren Tools”, um für mich selbst bspw. Mitgefühl zu haben. Vor ca. zweieinhalb Jahren lernte ich dann dank des großen www Räume mit Embodiment kennen und seither ist Embodiment Teil meines privaten und mittlerweile auch meines beruflichen Alltags! In diesen letzten zweieinhalb Jahren, habe ich
- verdammt viel gefühlt und losgelassen,
- mich halten lassen und mich selbst gehalten,
- eine ganze Menge an Stresszyklen in meinem Nervesystem beendet und traumatische Erfahrungen integriert,
- mir Erlaubnis für alles mögliche gegeben,
- Schichten, die nicht zu mir gehören, abgestreift,
- das zu beim zu viel, zu doof,... immer mehr gehen lassen können und wenn es wieder kommt (was es noch immer tut), habe ich Strategien, um das damit verbundene Gefühl in meinem Körper zu bewegen, um es schließlich loszulassen,
- mich aus Ohnmacht wieder aufgerichtet und erlebe mich seitdem immer mehr in meiner Kraft, gleichzeitig gibt es Phasen, in denen ich erschöpft und sehr müde bin. Und ja, beides darf sein!
Das ist die Gleichzeitigkeit, die ich in dieser Zeit kennen- und so sehr lieben gelernt habe:
Ich als Mensch bin ein Zykluswesen und auch das Leben generell verläuft in Zyklen und Wellen; somit ist es absolut logisch, dass sich Dinge manchmal leichter und manchmal schwerer anfühlen, dass ich an einem Tag kraftvoll und verwurzelt da stehe und an einem anderen Tag müde bin und mich unter einer Decke verkriechen will. Und mit dem Einzug von Embodiment in mein Leben, wächst mein Bewusstsein dafür immer mehr, dass ich auf meinen Körper hören darf und wir ein Team sind. Das kann konkret bedeuten: Spüre ich eine Schwere in meinen Beinen, versuche ich langsamer zu machen und mich auszuruhen, anstatt weiterzurennen, bis alles erledigt ist. Spüre ich eine Traurigkeit in mir aufsteigen, versuche ich zeitnah mir Raum zu nehmen, um zu weinen; anstatt die Tränen wegzudrücken und runterzuschlucken. Und nicht nur mein Körper atmet auf; auch meine Kinder erleben eine Mutter, die sich Raum nimmt zu fühlen und erleben Emotionen und ihren Ausdruck als absolut natürlich und normal. "Alle Gefühle sind okay und Willkommen" ist in unserer Familie mittlerweile nicht mehr nur ein geschriebener sondern ein gelebter Satz. Ist das manchmal anstrengend? Ja! Ist es das wert? Zu 100% ja!