Stark bleiben, wenn’s schwierig wird. Warum Eltern auch Resilienz brauchen
Elternsein kann ein Drahtseilakt bedeuten.
Ich weiß, wie es ist, wenn man versucht, alles richtig zu machen. Wenn man jeden Tag jongliert zwischen Verantwortung, Erwartungen und dem Wunsch, ein guter Mensch, eine gute Mutter oder ein guter Vater zu sein.
Ich weiß, wie es ist, wenn man versucht, alles richtig zu machen. Wenn man jeden Tag jongliert zwischen Verantwortung, Erwartungen und dem Wunsch, ein guter Mensch, eine gute Mutter oder ein guter Vater zu sein.
Und genau darum geht es in diesem Beitrag. Nicht um Erziehungsratgeber-Tipps. Sondern um dich.
Denn Resilienz beginnt nicht beim Kind; sie beginnt bei dir.
Der ganz normale Wahnsinn und der ganz reale Druck
Du willst alles richtig machen, willst dein Kind stärken, da sein, fördern, begleiten und gleichzeitig arbeiten, den Haushalt stemmen, dich selbst nicht verlieren.
Und egal was du tust, es scheint nie zu reichen.
Gehst du arbeiten, heißt es: „Tja, die kümmert sich ja kaum ums Kind.“
Bleibst du zuhause, heißt es: „Ach, die lässt sich doch nur aushalten.“
Hast du nur ein Kind: „Die verwöhnen es doch total.“
Hast du fünf Kinder: „Na, die haben ja sonst keine Hobbys.“
Du merkst: Es ist egal, was du tust; irgendwer wird immer etwas zu sagen haben.
Und das ist der Moment, wo du als Elternteil lernen musst, dich abzugrenzen.
Denn nur wenn du über diesen Bewertungen stehst, kannst du deinem Kind vorleben, wie man sich selbst treu bleibt.
Dein Kind lernt durch dich; auch, wie man sich selbst verliert!
Kinder hören nicht auf das, was wir sagen. Sie beobachten, wie wir leben.
Wenn du dich selbst permanent übergehst, immer nur funktionierst, dich für alle anderen aufopferst; dann wird genau das dein Kind tief in sich abspeichern:
Ich muss leisten, um liebenswert zu sein.
Dabei brauchen Kinder keine perfekten Eltern.
Sie brauchen authentische.
Eltern, die auch mal sagen: „Ich bin gerade müde. Ich brauch mal einen Moment für mich.“
Denn nur wenn du selbst auftankst, kannst du geben.
Und ja; du darfst das. Du musst das sogar.
Es beginnt mit einer Stunde für dich
Ich war lange alleinerziehend. Ich weiß, wie es ist, wenn niemand da ist, der mal kurz übernimmt. Keine Großeltern, keine Nachbarn, kein Backup.
Du kommst an deine Grenzen. Und manchmal darüber hinaus.
Aber gerade dann ist es wichtig, dir ganz bewusst kleine Räume zu schaffen.
Nicht, wenn alles passt; sondern auch, wenn es eng wird.
Nach der Einschlafbegleitung.
Vor der Arbeit; bei einem kurzen Spaziergang im Halbdunkel.
Oder wenn dein Kind endlich schläft; dann nicht sofort auf die Couch und berieseln lassen.
Sondern kurz atmen. Musik hören. Tagebuch schreiben. Oder einfach nichts tun.
Auch das darf sein. Auch das ist heilsam.
Einschlafbegleitung; von der Erschöpfung zum Geschenk
Ich weiß, sie kann sich ziehen wie Kaugummi. Diese Einschlafbegleitungen.
Du liegst da, dein Kind will nochmal trinken, nochmal erzählen, nochmal kuscheln und du willst einfach nur raus, aufstehen, durchatmen.
Aber vielleicht hilft dir dieser Gedanke:
Diese Phase wird enden. Und irgendwann wirst du dich genau danach zurücksehnen.
Du wirst da sitzen und denken:
Wie schön war das eigentlich, diese kleinen warmen Händchen, die sich an mich klammern. Diese leisen Atemzüge. Dieses Vertrauen.
Halte dir das vor Augen; und ja, sei trotzdem ehrlich zu dir, wenn es gerade zu viel ist.
Aber wisse: Es ist eine Phase. Kein Dauerzustand.
Und du darfst sie bewusst gestalten; mit deiner Präsenz, deiner Liebe, und deiner Kraft.
Die Basis muss stark sein; sonst wackelt alles
Kinder können nur dann wirklich glücklich, sicher und stabil durchs Leben gehen, wenn die Basis, also du, stabil bist.
Und das heißt nicht, dass du nie strauchelst.
Es heißt nur: Du gibst Acht auf dich. Du achtest deine Grenzen.
Du bist nicht nur Mama oder Papa.
Du bist auch du selbst; und das darf Raum haben.
Denn dein Kind braucht kein Elternteil, das sich aufopfert.
Es braucht ein Vorbild, das sich selbst achtet.
Mein Appell an dich
Hör auf, dich zu vergleichen.
Hör auf, nach rechts und links zu schauen.
Hör auf, dich zu fragen, was „die anderen“ denken.
Stell dir stattdessen nur eine Frage:
Wie möchtest du, dass dein Kind einmal über sich denkt?
Dann fang an, genau so mit dir selbst umzugehen.
Denn das ist wahre Stärke.
Und das ist echte Resilienz.