Am Rande der Verzweiflung - Kitaleitung im Überlebensmodus
Ich bin müde. Nicht einfach nur müde vom Tag oder von einer schlechten Nacht – sondern durch und durch erschöpft.
Ich funktioniere. Ich organisiere. Ich halte den Laden irgendwie zusammen. Aber ehrlich? Ein einziger Gedanke an Pädagogik ist gerade ein Gedanke zu viel. Ich stecke fest. Im Überlebensmodus.
Und während ich hier sitze und das schreibe, frage ich mich, wie viele von euch das gerade genauso spüren. Wir sprechen oft von Fachkräftemangel, von Überlastung, von Personalausfall. Aber wie nennen wir das, was in uns passiert, wenn wir täglich durchbrennen – in kleinen Dosen? Wenn wir morgens aufstehen mit dem festen Vorsatz, „heute klappt das schon irgendwie“ – und abends trotzdem wieder mit leerem Blick im Badspiegel stehen?
Ich leite eine Kita. Ich trage Verantwortung – für Kinder, für mein Team, für alles, was jeden Tag auf uns einprasselt. Und manchmal kommt es mir vor, als würde ich mit bloßen Händen ein einstürzendes System stützen. Ressourcen stopfen, Lücken schließen, Gespräche führen, Ausfälle kompensieren. Wieder und wieder.
Bis gar nichts mehr geht.
Es gibt Tage, da denke ich: Ich darf mir Pausen gönnen.
Und dann kommt dieser andere Gedanke hinterher: Stell dich nicht so an. Es könnte schlimmer sein. Könnte es. Aber das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist: Es ist schlimm. Und ich bin nicht dafür da, das Unmögliche möglich zu machen. Ich bin nicht das Ersatzteillager eines maroden Systems.
Was ich brauche? Mehr echte Pausen. Mehr Delegation – auch wenn mein Kopf mir einredet, dass ich alles allein tragen muss.
Mehr Selbstverantwortung – nicht im Sinne von „reiß dich zusammen“, sondern im Sinne von: Ich sehe, wie es mir wirklich geht, und ich ziehe Konsequenzen. Ich spüre meine Grenzen. Nehme meine Gefühle ernst.
Dieser Text hat keine Lösung. Die brauchen wir auch nicht. Es ist ein Anfang. Ein ehrlicher Blick auf das, was ist.
Ein leiser Ruf an dich, falls du gerade auch an diesem Punkt stehst:
Du bist nicht allein.
Wenn du dich wiedererkennst, dann lies das hier nicht einfach nur.
Atme.
Trink einen Schluck Wasser. Vielleicht magst du dir eine kleine Umarmung schenken.
Und frag dich: Was wäre eine kleine Sache, die ich heute für mich tun kann – jenseits von Funktionieren? Denn wenn wir nicht mehr atmen können, können wir auch keine Kita führen.
Und kein Kind begleiten.
Und vor allem: kein Mensch sein. Nicht wir selbst sein.
Glück auf!
Glück auf!