Food under one is just for fun?
Wenn du dich mit Baby-led weaning (BLW) beschäftigst, wird dir sicher früher oder später der Spruch "food under one is just for fun" begegnen. Ich höre/lese ihn häufig in diesem Kontext, aber mit sehr unterschiedlicher Deutung.
Bei selbstbestimmter Beikost am Familientisch geht es ja u.a. auch um eine Abkehr des sehr erwachsenengeleiteten Fütterns, bei dem das Kind auch möglichst schnell und am besten noch möglichst sauber einzelne Milchmahlzeiten ersetzen soll. Spaß am Essen, an den gemeinsamen Mahlzeiten und auch das spielerische Erforschen der Lebensmittel dürfen im Vordergrund stehen. Essmengen sind erst mal nicht so wichtig.
Diese Herangehensweise unterstütze ich absolut.
Ich und meine Koleginnen nehmen allerdings auch zunehmend eine andere Sichtweise auf diesen Ausspruch wahr. Die, dass im ersten Lebensjahr quasi egal wäre, ob Kinder etwas essen. Muttermilch oder Pre (fast) allein reiche vermeintlich und ob und was überhaupt angeboten wird, sei egal. Essen ist nur zum spielen.
Diese Ansicht und generell ein bestimmtes Bild von Baby-led weaning, das umhergeistert, möchte ich nicht unterstützen und einige Punkte dazu klarstellen:
1. „Food under one is just for fun“ ist ein Spruch, den viele von uns bewusst schon gar nicht mehr verwenden, da er offenbar ein völlig falsches Bild vermittelt. Ja, die Kinder dürfen mit Essen spielen, matschen, werfen, das ist schon sehr viel fun. Aber sie sollen auch davon essen. Und Eltern stehen auch bei dieser Form der Beikost in der Pflicht, ihnen das mit angemessenem Angebot und ausreichend Gelegenheit zu ermöglichen.
Ein gesundes, reif geborenes, altersgemäß entwickeltes Kind ist mit ca. ½ Jahr in der Lage sich bei hiesigem Angebot und Zubereitungsmöglichkeiten selbstständig mit ausreichend Beikost zu versorgen.
ABER die muss in der Konsistenz dem Entwicklungsstand entsprechen (Motorik, Zähne).
Sie sollte mehrfach am Tag angeboten werden, auch um die motorischen Fähigkeiten zu trainieren, die es braucht, damit bald tatsächlich nennenswerte Mengen im Mund landen.
Die Essumgebung sollte so sein, dass das Kind sowohl Ruhe beim essen hat, aber auch die Gelegenheit, sich Fähigkeiten von anderen abzugucken und durchaus auch aktiv zum essen ermutigt wird.
Für eine festgelegte Zeit gegen ihren Willen im Hochstuhl sitzen zu müssen, ist für Babys/Kleinkinder nicht angebracht.
Die Nahrung muss so kalorienreich sein, dass das Kind auch merken kann, dass man davon satt wird.
Gedünstete Gemüsesticks sind nett zum Einstieg und als Snacks, aber Möhren haben gerade halb so viel Kalorien wie die gleiche Menge Muttermilch. Das ist keine Familienkost, sondern Reduktionskost.
Vlt. seht ihr in meinem Handout "Achtsam Essmengen steigern", was ihr bei den Mahlzeiten noch anpassen könnt.
2. Muttermilch ist perfekt. Aber nur so lange, wie sie es für ein altersgemäß entwickeltes Kind sein muss! Ihre Inhaltsstoffe sind nicht unendlich variabel und der Gehalt an Mineralstoffen, etwa Eisen, bleibt sogar immer ziemlich konstant. Babys bauen im Mutterleib gewisse Nährstoffspeicher auf. Wie voll diese Speicher sind, hängt u.a. vom Versorgungsstand der Mutter in der SS ab, ob das Kind voll ausgetragen ist, wann abgenabelt.
Von diesen Speichern zehren sie die nächsten Monate. Da ihr Bedarf aber stetig steigt, sind die Vorräte irgendwann erschöpft und auch über die tolle Muttermilch allein nicht mehr ausreichend zu decken (sicher nicht für alle Kinder gleichermaßen ab Tag x).
Dieser Mehrbedarf geht mit der Fähigkeit der Kinder einher, ihn bei geeignetem Nahrungsangebot selbst zu decken. Daher gibt es keinen Grund, ein beikostreifes Kind von bestimmten Mahlzeiten aktiv auszuschließen. Es ist von der Entwicklung her gewollt, dass die Kinder nicht mehr nur Milch bekommen können!
Trotzdem soll im 1. Lebensjahr auch noch aktiv Milch generell und zu den Mahlzeiten angeboten werden.
Wenn tatsächlich so viel gegessen wird, dass sich bei Mama ein Milchstau anbahnt oder es zu akuter Verstopfung beim Kind kommt, darf man natürlich auch etwas bremsen (bzw das Angebot dahingehend abändern).
Also, so wie es weder BLW ist, wenn ich mit regelmäßigen Quetschies abstille, weil das Kind die "ganz selbstbestimmt" ausnuckelt, trifft das auch nicht zu, wenn ich einfach nur gegen den Breifahrplan bin und meinem Kind dafür über Wochen zunächst nur zur Mittagsmahlzeit den Gemüse-Kartoffelbrei in Stickform anbiete und mich ansonsten in einen Wettbewerb begebe, wer am längsten noch am meisten Stillen kann.
(Ich formuliere das so drastisch, weil wir als Fachkräfte das zumindest in Social media Gruppen tatsächlich so erleben.)
Ich stütze mich weitestgehend auf die Empfehlungen der WHO, nach der bis zum 1. Geburtstag etwa 50% der Energie durch Beikost gedeckt sein sollten.
Wenn eben auch energiereiche Lebensmittel angeboten werden und nicht nur Gemüsesticks oder kalorienarme Gläschen, darf es einem trotzdem so vorkommen, als wenn man noch viel stillt. Das muss bei der Anzahl der Milchmahlzeiten nicht so deutlich werden. Die getrunkene Gesamtmilchmenge wird reduiziert sein.
Und ja, es sind nur Empfehlungen und für Stillmütter zudem schwer einzuschätzen. Deshalb müssen wir uns im Einzelfall nicht an Prozenten festklammern. Aber auch wenn in den ersten Wochen sicher eher erforscht und geübt wird, sollte man mit 9/10 Mo i.d.R. schon eine Steigerung der Essmengen festgestellt haben bzw. dass das Kind eben mehrfach am Tag isst. Ist das nicht so, soll das kein Grund für Panik sein, trotzdem für einen Gang zum Arzt. Der sollte die Blutwerte (mehrere, nicht nur Hb) prüfen, ob ein Eisen- oder ggf. auch Zink- und B12-Mangel vorliegt, ob Einschränkungen im Mundraum (z.B. kurzes Zungenband, Schluckstörungen) vorliegen prüfen (lassen) oder die motorische Entwicklung verzögert ist.
Ist alles ok, einfach weiter anbieten und nicht stressen lassen.
PS: beikostreif ist ein Kind nach UNICEF wenn
- der Zungenstoßreflex verschwunden ist
- es mit leichter Unterstützung im unteren Rücken aufrecht sitzen kann (muss sich noch nicht selbst hinsetzen können)
- es mit der Hand selbstständig Lebensmittel zum Mund führen kann.
Wenn du noch mehr über den Beikoststart erfahren möchtest - welche Lebensmittel anfangs eher ungeeignet sind, was du konkret anbieten kannst, welche Ausstattung sinnvoll ist und welche typischen Eigenarten kleiner Essstarter auf dich zukommen können, ist mein E-Book "Rund um die Beikost" genaus das Richtige für dich.
Seid ihr schon mittendrin in der Beikost, es gestaltet sich aber schwierig - du weißt nicht, was du anbieten sollst, die Essmengen steigen nicht so recht (hier auch mein Freebie Achtsam Essmengen steigern) oder die Familienmahlzeiten sind einfach stressig, lass und gern einen persönlichen Beratungstermin vereinbaren.
Thema ist Beikost natürlich auch in meinem E-Book "Achtsam Abstillen".
Bei selbstbestimmter Beikost am Familientisch geht es ja u.a. auch um eine Abkehr des sehr erwachsenengeleiteten Fütterns, bei dem das Kind auch möglichst schnell und am besten noch möglichst sauber einzelne Milchmahlzeiten ersetzen soll. Spaß am Essen, an den gemeinsamen Mahlzeiten und auch das spielerische Erforschen der Lebensmittel dürfen im Vordergrund stehen. Essmengen sind erst mal nicht so wichtig.
Diese Herangehensweise unterstütze ich absolut.
Ich und meine Koleginnen nehmen allerdings auch zunehmend eine andere Sichtweise auf diesen Ausspruch wahr. Die, dass im ersten Lebensjahr quasi egal wäre, ob Kinder etwas essen. Muttermilch oder Pre (fast) allein reiche vermeintlich und ob und was überhaupt angeboten wird, sei egal. Essen ist nur zum spielen.
Diese Ansicht und generell ein bestimmtes Bild von Baby-led weaning, das umhergeistert, möchte ich nicht unterstützen und einige Punkte dazu klarstellen:
1. „Food under one is just for fun“ ist ein Spruch, den viele von uns bewusst schon gar nicht mehr verwenden, da er offenbar ein völlig falsches Bild vermittelt. Ja, die Kinder dürfen mit Essen spielen, matschen, werfen, das ist schon sehr viel fun. Aber sie sollen auch davon essen. Und Eltern stehen auch bei dieser Form der Beikost in der Pflicht, ihnen das mit angemessenem Angebot und ausreichend Gelegenheit zu ermöglichen.
Ein gesundes, reif geborenes, altersgemäß entwickeltes Kind ist mit ca. ½ Jahr in der Lage sich bei hiesigem Angebot und Zubereitungsmöglichkeiten selbstständig mit ausreichend Beikost zu versorgen.
ABER die muss in der Konsistenz dem Entwicklungsstand entsprechen (Motorik, Zähne).
Sie sollte mehrfach am Tag angeboten werden, auch um die motorischen Fähigkeiten zu trainieren, die es braucht, damit bald tatsächlich nennenswerte Mengen im Mund landen.
Die Essumgebung sollte so sein, dass das Kind sowohl Ruhe beim essen hat, aber auch die Gelegenheit, sich Fähigkeiten von anderen abzugucken und durchaus auch aktiv zum essen ermutigt wird.
Für eine festgelegte Zeit gegen ihren Willen im Hochstuhl sitzen zu müssen, ist für Babys/Kleinkinder nicht angebracht.
Die Nahrung muss so kalorienreich sein, dass das Kind auch merken kann, dass man davon satt wird.
Gedünstete Gemüsesticks sind nett zum Einstieg und als Snacks, aber Möhren haben gerade halb so viel Kalorien wie die gleiche Menge Muttermilch. Das ist keine Familienkost, sondern Reduktionskost.
Vlt. seht ihr in meinem Handout "Achtsam Essmengen steigern", was ihr bei den Mahlzeiten noch anpassen könnt.
2. Muttermilch ist perfekt. Aber nur so lange, wie sie es für ein altersgemäß entwickeltes Kind sein muss! Ihre Inhaltsstoffe sind nicht unendlich variabel und der Gehalt an Mineralstoffen, etwa Eisen, bleibt sogar immer ziemlich konstant. Babys bauen im Mutterleib gewisse Nährstoffspeicher auf. Wie voll diese Speicher sind, hängt u.a. vom Versorgungsstand der Mutter in der SS ab, ob das Kind voll ausgetragen ist, wann abgenabelt.
Von diesen Speichern zehren sie die nächsten Monate. Da ihr Bedarf aber stetig steigt, sind die Vorräte irgendwann erschöpft und auch über die tolle Muttermilch allein nicht mehr ausreichend zu decken (sicher nicht für alle Kinder gleichermaßen ab Tag x).
Dieser Mehrbedarf geht mit der Fähigkeit der Kinder einher, ihn bei geeignetem Nahrungsangebot selbst zu decken. Daher gibt es keinen Grund, ein beikostreifes Kind von bestimmten Mahlzeiten aktiv auszuschließen. Es ist von der Entwicklung her gewollt, dass die Kinder nicht mehr nur Milch bekommen können!
Trotzdem soll im 1. Lebensjahr auch noch aktiv Milch generell und zu den Mahlzeiten angeboten werden.
Wenn tatsächlich so viel gegessen wird, dass sich bei Mama ein Milchstau anbahnt oder es zu akuter Verstopfung beim Kind kommt, darf man natürlich auch etwas bremsen (bzw das Angebot dahingehend abändern).
Also, so wie es weder BLW ist, wenn ich mit regelmäßigen Quetschies abstille, weil das Kind die "ganz selbstbestimmt" ausnuckelt, trifft das auch nicht zu, wenn ich einfach nur gegen den Breifahrplan bin und meinem Kind dafür über Wochen zunächst nur zur Mittagsmahlzeit den Gemüse-Kartoffelbrei in Stickform anbiete und mich ansonsten in einen Wettbewerb begebe, wer am längsten noch am meisten Stillen kann.
(Ich formuliere das so drastisch, weil wir als Fachkräfte das zumindest in Social media Gruppen tatsächlich so erleben.)
Ich stütze mich weitestgehend auf die Empfehlungen der WHO, nach der bis zum 1. Geburtstag etwa 50% der Energie durch Beikost gedeckt sein sollten.
Wenn eben auch energiereiche Lebensmittel angeboten werden und nicht nur Gemüsesticks oder kalorienarme Gläschen, darf es einem trotzdem so vorkommen, als wenn man noch viel stillt. Das muss bei der Anzahl der Milchmahlzeiten nicht so deutlich werden. Die getrunkene Gesamtmilchmenge wird reduiziert sein.
Und ja, es sind nur Empfehlungen und für Stillmütter zudem schwer einzuschätzen. Deshalb müssen wir uns im Einzelfall nicht an Prozenten festklammern. Aber auch wenn in den ersten Wochen sicher eher erforscht und geübt wird, sollte man mit 9/10 Mo i.d.R. schon eine Steigerung der Essmengen festgestellt haben bzw. dass das Kind eben mehrfach am Tag isst. Ist das nicht so, soll das kein Grund für Panik sein, trotzdem für einen Gang zum Arzt. Der sollte die Blutwerte (mehrere, nicht nur Hb) prüfen, ob ein Eisen- oder ggf. auch Zink- und B12-Mangel vorliegt, ob Einschränkungen im Mundraum (z.B. kurzes Zungenband, Schluckstörungen) vorliegen prüfen (lassen) oder die motorische Entwicklung verzögert ist.
Ist alles ok, einfach weiter anbieten und nicht stressen lassen.
PS: beikostreif ist ein Kind nach UNICEF wenn
- der Zungenstoßreflex verschwunden ist
- es mit leichter Unterstützung im unteren Rücken aufrecht sitzen kann (muss sich noch nicht selbst hinsetzen können)
- es mit der Hand selbstständig Lebensmittel zum Mund führen kann.
Wenn du noch mehr über den Beikoststart erfahren möchtest - welche Lebensmittel anfangs eher ungeeignet sind, was du konkret anbieten kannst, welche Ausstattung sinnvoll ist und welche typischen Eigenarten kleiner Essstarter auf dich zukommen können, ist mein E-Book "Rund um die Beikost" genaus das Richtige für dich.
Seid ihr schon mittendrin in der Beikost, es gestaltet sich aber schwierig - du weißt nicht, was du anbieten sollst, die Essmengen steigen nicht so recht (hier auch mein Freebie Achtsam Essmengen steigern) oder die Familienmahlzeiten sind einfach stressig, lass und gern einen persönlichen Beratungstermin vereinbaren.
Thema ist Beikost natürlich auch in meinem E-Book "Achtsam Abstillen".